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Im Gespräch mit dem MSV Museum

Die Idee einige der bedeutendsten Erinnerungen und Sammlungsstücke des Meidericher Spielvereins der breiten Öffentlichkeit zu zeigen, entstand im Jahr 2010. Federführend zu dieser Zeit war Katrin von Kohorte und so wurde mit viel Fleiß und Mühe 2011 ein Museums-Wochenende vom Zebraherde e.V. umgesetzt.

Hier traten Dank einiger spektakulärer Privatsammlungen Dinge zu Tage, welche für absolute Gänsehaut sorgten. 3.500 Duisburger sahen ihre eigene Geschichte, die Geschichte der Stadt und vor allem die Wurzeln des MSV Duisburg. Es war unglaublich, welche Reaktionen zu sehen waren, unfassbare Geschichten, die erzählt wurden, Tränen und vor allem wunderschöne Exponate.

Einige Menschen hat der Erfolg des Wochenendes nachhaltig beeindruckt und dazu veranlasst, einen eigenständigen e.V. zu gründen, um diese Idee weiter voranzutreiben. Einen davon haben wir im Urlaub interviewen dürfen. Er ist Mitglied im Vorstand des MSV Museum e.V., welcher sich für ein dauerhaftes Museum rund um den Meidericher SV engagiert.

Hallo Volker, ich habe dich als sehr engagierten Menschen rund um den MSV kennenlernen dürfen. Nun dürfen wir ein wenig neugierig sein - danke dafür! Wie ist der aktuelle Stand des MSV Museums?

Nach der Gründung am 30.01.2017 haben wir zunächst versucht dem Verein eine Struktur zu geben. Das ist uns bislang sehr gut gelungen. Wir haben durch viele Aktionen und Gespräche im Umfeld des MSV Duisburg bewiesen, dass wir es sehr ernst mit dem MSV Museum meinen. Unser Ziel ist es, das MSV Museum in den nächsten Jahren in seinen eigenen Räumlichkeiten zu eröffnen. Dazu fehlt es natürlich noch an einigem, aber wir sind auf einem guten Weg. Zurzeit haben wir ca. 85 Mitglieder. Das ist natürlich zu wenig, und wir werden in den nächsten Monaten versuchen, diese Zahl zu erhöhen. Nach den vergangenen Aktionen (Ausstellungen, „Spieler des Tages“, Flohmärkte, Homepage, Stadionmodell, etc.) gehen wir nun die nächsten Schritte. Wir haben uns eine Archiv-Software angeschafft, und werden nun nach und nach unsere eigenen Exponate, aber auch die Exponate unserer privaten Sammler mittels der Software inventarisieren. Nur so können wir später die Ausstellungen in unserem MSV Museum organisieren und durchführen. Dann werden wir mit Hilfe einer externen Firma das Konzept unseres MSV Museum in einer Broschüre sichtbar machen. Das ist notwendig, um auch bei Großsponsoren unsere Vision konkret vorstellen zu können. Denn nur so werden Sponsoren uns unterstützen, und ohne Sponsoren geht es nicht. Wir sind aktuell ein Team von 10 Personen, die aktiv das Geschehen im Verein vorantreibt. Hier dürfen gerne noch weitere engagierte Personen dazukommen. Wer also gerne mithelfen möchte unser MSV Museum aufzubauen ist immer willkommen.

Wo seht ihr Räumlichkeiten für ein Museum oder gäbe es vielleicht auch Ansätze für eine Wanderausstellung durch Duisburg?

Ganz klar sehen wir die Räumlichkeiten im Stadion, auch wenn aktuell dort noch kein Platz ist. Unsere Vorstellung ist eine Kombination aus MSV Museum, Stadionführungen und Besuch des Zebra-Shops. So ist es im Grunde auch in anderen Fußball-Museen zu sehen. Es soll dadurch einen Win-win-Situation zwischen dem MSV Duisburg und dem MSV Museum entstehen. Bis wir unsere Räumlichkeiten beziehen, wollen wir natürlich weiter in der Öffentlichkeit präsent sein. Und das geht am Besten durch Ausstellungen. Hier planen wir gerade, wie wir eine Art Wanderausstellung durchführen können. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass dies nicht ganz einfach ist, denn es müssen ausreichend Vitrinen zur Verfügung stehen. Außerdem brauchen wir auch eine gewisse Überwachung, damit die Exponate geschützt sind. Aber für 2020 ist etwas geplant - lasst Euch überraschen!

Es gibt ja einige unglaubliche Sammlungen in Duisburger Privathand. Was sind für dich die schönsten Exponate?

Es ist unglaublich schwer die schönsten Exponate hier zu nennen. Dafür hatte ich in den vergangenen 2,5 Jahren schon zu viele, schöne Exponate in den Händen. Grundsätzlich aber gefallen mir die Exponate, die eine Geschichte erzählen.

Aber ich will hier dann doch mal zwei Beispiele schöner Exponate nennen:

Vor einigen Wochen habe ich nach dem Tod von Rudi Gutendorf Kontakt mit der Familie aufgenommen. Nach den Gesprächen bekam ich die Kopie des Vertrages von Rudi Gutendorf, den er 1963 auf die Rückseite einer Speisekarte eines Restaurants unterschrieben hatte, zur Verfügung gestellt.

Persönlich habe ich mich sehr über ein Geschenk von Manfred Manglitz gefreut. Er schenkte mir für das MSV Museum ein Album, welches sein Vater für den „Langen“ angefertigt hatte. Obwohl sein Vater gegen den Beruf des Fußballers war, hatte er die Karriere vom „Langen“ verfolgt, Fotos und Zeitungsausschnitte gesammelt und in ein Album eingeklebt. Ein Buch voller Geschichten, einfach klasse.

Ihr habt ja bereits den Duisburger Fans ermöglicht, mal einen Hauch von Museum zu erleben. Wie waren die Rückmeldungen?

Wir konnten bislang drei kleine Ausstellungen auf die Beine stellen. Eine Ausstellung fand im Landesarchiv NRW statt, zwei weitere haben wir während der beiden letzten „Cups der Traditionen“ organisiert. Darüber hinaus haben wir eine Saison lang Vitrinen im Foyer der Geschäftsstelle ausstellen dürfen. Leider ist hier der Platz sehr begrenzt und mit dem Einzug des Stadionmodells einfach kein Platz mehr vorhanden. Deshalb werden wir auch verstärkt an die oben erwähnten Wanderausstellungen arbeiten. Wir wollen schließlich zeigen, was das MSV Museum schon zur Verfügung hat.

Zu den Ausstellungen konnten wir immer über 1000 Fans begrüßen, und das obwohl wir nur wenige Stunden geöffnet hatten. Die Resonanz ist natürlich durchweg positiv. Viele Fans erinnern sich natürlich sehr gerne an ihre Erlebnisse, wenn sie bestimmte Exponate wiedersehen. Dann werden immer wieder viele Geschichten erzählt, und wir bekommen auch das eine oder andere Sammlerstück für unser MSV Museum.

Bei solchen Begegnungen kamen sicher auch spannende und lustige Geschichten ans Tageslicht. Welche war deine Lieblingsstory?

Mein schönstes Erlebnis war unsere Ausstellung anlässlich des Abschiedsspiels von Branimir Bajic. Wir haben parallel zum Spiel auf der Gegenseite eine kleine Ausstellung organisiert, mit Exponaten aus Branimirs Fußballer-Leben und dem Pokalendspiel von 2011. Zusätzlich zur Ausstellung hatten wir Brani gebeten nach dem Spiel einige Autogramme zu geben, was er uns auch zusagte. Ca. 1000 Besucher sahen die Ausstellung und zahlreiche Fans warteten dann auf die Autogrammstunde mit Brani. Zu unser aller Überraschung kam Brani dann mit 9 weiteren Spielern zu uns. Sascha Dum, Sören Brandy, Stefan Maierhofer, Srdan Baljak, Victor Obinna, Benny Kern, Philipp Trojan, Martin Dausch, Mark Flekken und natürlich Brani geben über eine Stunden lang Autogramme. Als fast alles vorbei war, kam noch Karsten Baumann zu uns und fragte, warum man ihm nicht Bescheid gegeben hätte. Er hätte auch sehr gerne Autogramme gegeben. Das war bislang unser größter Tag im jungen Vereinsleben, der absoluter Wahnsinn.

Es gibt Treffen von Museum- und Vereinsarchiven, was kann man sich dort abgucken und welche Lösungen haben sie gefunden?

Zweimal im Jahr treffen sich die Verantwortlichen der Fußball-Museen und Vereinsarchive aus dem deutschsprachigen Raum. Unabhängig der Rivalität auf dem Rasen arbeiten hier alle ausnahmslos zusammen. Keiner hat Geheimnisse, sondern jeder gibt seine Tipps an alle weiter, eine tolle Gemeinschaft. Jedes Mal kommen wir mit neuen Ideen nach Hause, die wir dann im Rahmen unserer Möglichkeiten umsetzen möchten. Das ist nicht immer einfach, weil wir ja nun mal ein unabhängiger Verein sind, im Übrigen eine Seltenheit in der Szene. Fast alle existierende Fußball-Museen sind Teil des Hauptvereins und haben dadurch einfach andere Möglichkeiten. Wir haben uns aber in Duisburg bewusst dafür entschieden, den Weg alleine zu gehen. Schließlich wollen wir unserem Verein nicht plötzlich um Geld bitten müssen, nur weil wir auf einmal zu wenig Einnahmen haben und dadurch eine Lizenzerteilung gefährden. Aber beide Vereine arbeiten sehr eng und sehr gut zusammen. Um aber nochmal auf die Treffen der Fußball-Museen zurück zu kommen, wir erhalten viele Tipps und Ideen, die wir bei unserer Umsetzung sehr gut gebrauchen können. Auch außerhalb der Treffen sind alle Verantwortlich bereit Fragen zu beantworten. Hier hole ich mir oftmals einen Tipp, wenn ich mal wieder eine neue Idee für uns habe. So sind wir zum Beispiel auch auf unsere Archiv-Software gekommen.

Mit Veronika & Holger Tribian habt ihr das Stadionmodell-Pärchen des MSV Duisburg für euch gewinnen können. Ihr Modell der Arena wurde damals für die Zebraherde in der Köningsgalerie ausgestellt. Kann man noch heute ein Mosaikstein dieses verrückten Stadionmodells werden? Wie geht das?

Im Juli 2018 haben wir das Stadionmodell in die Arena geholt. Dank eines Sponsors konnten wir das Modell in einer tollen Vitrine unterbringen. Zu allen Geschäftszeiten des MSV Duisburg kann das Modell in der Arena besichtigt werden. Natürlich kann jeder Fan weiterhin ein Mosaikstein werden. Dazu einfach auf die Homepage des MSV Museum e.V. (www.msv-museum.de) gehen und unter der Rubrik „Stadionmodell“ die Hinweise beachten. Die Antworten zu den gestellten Fragen einfach an das MSV Museum senden, und schon wird die eigene Figur hergestellt.

Zusätzlich zur Modell-Dauerkarte, die jeder Besteller bekommt, hat jeder auch die Möglichkeit gegen einen kleinen Aufpreis eine Schmuckurkunde zu bestellen. Also auch eine gute Möglichkeit für ein Geschenk.

Dank der Zusammenarbeit gibt es aktuell am Zebraherde-Infostand einige wenige und sehr rare Modelle des Wedaustadions für einen fairen Preis zu erwerben. Wie können wir Fans euch zusätzlich unterstützen, um ans Ziel zu kommen und in (naher) Zukunft ein dauerhaftes MSV-Museum realisieren zu können?

Wir brauchen tatsächlich noch viel Unterstützung, denn so ein Aufbau und später das Betreiben eines Museums ist schon sehr zeitaufwendig. Konkret könnt Ihr uns auf unterschiedlichster Weise helfen:

Sprecht über unser MSV Museum, damit wir noch bekannter werden. So ergeben sich immer neue Möglichkeiten an Geschichten und/der Exponate zu kommen. Oder aber auch an Helfer, die uns im Verein unterstützen möchten.

Werdet Mitglied im MSV Museum (19,02 € / Jahr). Denn ein „kultureller“ Verein mit einer hohen Mitgliederzahl hat in der Stadt grundsätzlich bessere Chancen.

Liefert uns Geschichten und Exponate rund um den MSV. Denn wir wollen ja nicht nur die Geschichten der Spieler oder Verantwortlichen erzählen, sondern einfach alle. Einfach eine Info an die info@msv-museum.de, und wir melden uns umgehend.

Helft uns ehrenamtlich, auch ohne Mitgliedschaft. Wir brauchen immer wieder Helfer bei Aktionen, aber auch in der alltäglichen Arbeit im Verein fehlen uns immer wieder helfende Hände. Zum Beispiel benötigen wir einen Pressesprecher, oder einen Betreuer unsere eigenen Exponate (inkl. Software-Pflege)

Schon jetzt sage ich vielen, vielen Dank für die Unterstützung, egal wie sie aussieht

Großartig sind auch eure Gäste, welche wir ab und an bei Heimspielen in der Halbzeit im Interview sehen dürfen. In welcher Situation hast du gespürt, dass die alten Recken noch ein Meidericher Herz haben?

Es gibt natürlich unterschiedlichste Reaktion der Gäste, aber bislang waren alle begeistert, dass der MSV sie eingeladen hat. Hier sehen wir es gar nicht so wichtig, dass nicht das MSV Museum an vorderster Front steht. Wichtig ist, dass die Gäste sich wohlfühlen. Einige hatten Tränen in den Augen, als sie nach langer Zeit mal wieder auf den Rasen standen. Mit einigen der Gäste pflegen wir heute immer noch Kontakt. Wir finden es sehr wichtig, dass der MSV (ob nun durch das Museum, oder den MSV selbst) an seine „alten“ Spieler denkt. Wir erinnern uns noch, wie Didi Hirsch bei uns war. Anschließend hat er es seinen Gladbacher Freunden, die auch beim MSV gespielt hatten, erzählt. Und was ist passiert? Sie rufen bei uns an und wollen auch eingeladen werden. Bessere Resonanz geht nicht.

Was war die spannendste oder lustigste Geschichte eines ehemaligen Spielers, die man mittlerweile erzählen kann?

Wir haben natürlich viele Geschichten erzählt bekommen, denn wir betreuen unsere Gäste rundum, bringen die Eintrittskarten nach Hause, führen Vorgespräche, empfangen sie am Stadion, und verabschieden sie nach dem Spiel.

Ich kann hier zumindest zwei kleine Episoden erzählen:

Die deutsche Nationalmannschaft hatte bei der WM 1966 in England Bierverbot. Eia Krämer wollte aber auf sein Bierchen nicht verzichten und wollte abreisen. Er blieb dann doch, wurde aber nur im letzten Vorrundenspiel gegen Spanien eingesetzt, weil es um nichts mehr ging.

oder Didi Hirsch. In seiner Trainerlaufbahn hat er auch auf Sylt Station gemacht (2012). Nach 5 Wochen haben die Sylter Didi wieder entlassen, wegen zu großer Professionalität!! Er hatte unterschätzt, dass sie nicht mehr geradeauslaufen können. ☺

Ein Museum heißt nicht nur Eintritt und eine Runde gucken, sondern auch Werte vermitteln, Tradition weitergeben, aber auch Fußballromantik. Was wünschst Du Dir für die Zukunft des MSV Museums?

Oh, ich habe natürlich viele Wünsche für das MSV Museum. Ich wünsche mir ein MSV Museum voller Geschichten, die erzählt und erlebt werden. Viele Besucher, die durch den Besuch des MSV Museum an vergangene Zeiten und Erlebnisse erinnert werden.

Mein größter Wunsch ist es jedoch, dass wir in den nächsten fünf Jahren unser MSV Museum eröffnen, und dass ich 5 Jahre später immer noch unser MSV Museum besichtigen kann. Dann weiß ich, dass wir es geschafft haben, ein MSV Museum zu eröffnen, dass angenommen wird und die Chance hat zu überleben. Denn einfach wird das nicht. Aber wir sind davon überzeugt, dass wir genau so ein MSV Museum eröffnen werden.

Wie danken dir für das aufschlussreiche und ausführliche Interview!

Ich habe zu danken für Euer Interesse, und die Möglichkeit über unser MSV Museum zu berichten. Bei Fragen oder Anregungen einfach Kontakt mit mir oder dem MSV Museum aufnehmen.

Autor: Marcel Eichholz
Datum: 17.11.2019
gelesen: 15 mal

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